Familienbande oder die Liebe zu einer Tochter

 

Vor einigen Jahren bekam ich von Lisa und Paul mit der Post eine Muttertags Rose geschenkt. Nun glaubt man ja irgendwie, dass diese Rosen so aufgewachsen und in Masse versendet eine nicht sehr gute Qualität haben. Doch da hatte ich weit gefehlt.

 

Erst muckerte sie ein bisschen und ich schaute immer liebevoll drauf.

 

Das Verhältnis zu meinen Kindern war in dieser Zeit von meiner Seite getrübt. Und irgendwie wird mir dies gerade klar, denn ich war traurig, dass deren Leben so unbeständig und ruhelos war und keine Besuche bei mir waren möglich. So blieb mir nur die Rose…

 

Allmählich erholte sich der kleine Stamm und setzte neue Blüten an und wurde zur blühfreudigsten Rose im letzten Jahr und blühte mich durchgehend von Mai bis tief in den Herbst herzlich an.

 

Das Verhältnis zu meinen Kindern wurde leider nicht besser, dass Leben ist schnell in dieser Zeit. Die einzige liebevolle Kommunikation, die Gedanken, die ich für Lisa empfinde sendete ich dieser kleinen, wundervollen Rose zu – war sie doch über lange Zeit meine einzige gedankliche Verbindung.

 

Dieses Jahr war/ist es wieder so. Sie hat dieses unstete Jahr und den Frost überstanden und man glaubt es kaum, auch im Dezember 2013 blühte sie noch mit einer einzigen rosazarten Blüte.

 

Vor dem ersten Frost hatte ich sie ins Zimmer geholt. Dies ist jetzt 3 Wochen her und sie stand und blühte, blühte und stand wie am ersten Tag und nicht ein Blatt oder eines der zarten rosa Blütenblätter verlor an Farbe oder Format. Dann regnete es weiße Fliegen auf die Decke und ich dachte mir, nun ist es Zeit wieder nach draußen zu ziehen.

 

Denn der Befall zeigte mir an, der kleinen Rose tat die Zimmerwärme nicht gut.

 

© Foto by Manuela Hensel
© Foto by Manuela Hensel

 

Heute ist nun der 3. Dezember und sie steht nun weitere 10 Tage im Draußen und ist schön wie je zuvor. Sie hat die frostigen Nächte überstanden, lächelt mich jeden Morgen an und scheint mir, als wäre sie aus der Zeit gefallen.

 

Doch irgendwie mahnte sie mich auch an, ließ mich nachdenklich werden über mein Verhältnis zu meiner Tochter. Sie meinte, warum sprichst Du sie nicht direkt an, warum über mich – die Rose.

 

Und so spürte ich seit ein paar Tagen, ich sollte meiner Tochter von dieser, ihrer und meiner Rose berichten und einfach so. Vielleicht kann unsere grüne Verbindung dann endlich in die wohl verdiente Winterruhe gehen. Sie hatte eine wirklich große Aufgabe.

 

Ich danke Dir, Du wundervolle Rose. Ich danke dir für diese Gedanken, die Möglichkeit in die Verbindung zu meiner Tochter immer wieder und vor allem anders hinein zu spüren und die Freude zu empfinden, dass ich sie beide habe.

 

Meine Tochter und die Rose. Beide sind einfach nur schön.

Und … ich werde es Lisa schreiben…

 

Manuela Hensel im Dezember 2013