Assel-Hausen unterm Himmel


Als ich den Titel der kommenden Zeitschrift las, dachte ich: jetzt kannst Du dir mal ein Thema von der Seele reden/schreiben, was und wie es einfach nur hierher gehört, denn wir leben praktisch in Asselhausen… und das auf dem Dach eines 6. Stöckigen Hauses.


Und irgendwie mutet es mir wie eine okkupierte Insel an, auf welcher Heerscharen von Asselaner/Innen in Ruhe und gemeinsam mit einer Unmenge von Regenwürmern und Ameisen leben kann und das auch noch direkt unter dem Himmel.



Ich gebe unumwunden zu, das ich dies nicht immer so gesehen habe und am Anfang total erschrocken war und allem auch die ersten Zeit einen Hilfeschrei über das Internet losgelassen hatte, wenn ich wieder mal zum Kompost ging und der gesamte obere Bereich einfach nur noch „asseltechnisch“ wimmelte. Unter jedem Topf, den ich anhob, rannte es dann – ähnlich wie Feuerkäferfamilien – in allen Größen schnurstracks davon, um dann doch wieder „heimzukehren“
und wenn man von mir Pflanzen erbte oder erbt, dann geht dies leider nicht auch ohne diese kleinen Mitbewohner.


Ein netter Mitmensch schrieb mir dann, ich solle doch froh und dankbar sein, wären diese kleinen Tierchen doch die beste „KomposTIEREr“, die es gibt…. Aber irgendwie war es mir einfach zu viel und so schüttelte es mich ehrlich gesagt noch eine ganze Weile.

 

© Foto by Manuela Hensel
© Foto by Manuela Hensel

 

Habe ich mich geändert? Ich denke schon, denn als ich heute im Morgentau zum Kompost stiefelte,  mit der Kamera in der Hand, war ich erst einmal erstaunt, wie wenig Tierchen noch da waren und
was hat es mir gesagt: Pflanzen reinholen am kommenden Wochenende, es wird nun kalt.

 

Oben jedoch auf einer Blüte einer Zitronenmelisse und ganz ungeniert häutete sich eines dieser Wesen und ich habe es dankbar fotografiert.

 

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Dann jedoch klappte ich – entgegen meiner täglichen Gewohnheit
den Deckel von Kompost wieder zu, denn ich wollte das Tierchen schützen. Zum einen gegen den kühlen Morgen, den Nebel in der Luft aber auch die schätzungsweise mittlerweile 30 Spatzen, die jeden Morgen genau in der Ecke zum Frühstück erscheinen – nun wohl schon in dritter Generation…


Mit den Ameisen hatte ich irgendwann mal im Mai gesprochen und gemeint, ich wüsste ein wirklich tolles und unberührtes Grundstück auf der anderen Straßenseite und auch mir Gedanken über ihren
„Fluchtweg“ gemacht. Was soll ich sagen – ich hatte dieses Jahr deutlich weniger…

 

Tja und was die Asseln betrifft, so schaudert es mich doch öfters nochmals, wenn ich bei umpflanzen oder auch Trennen, wie bei einem Blaukissen erst vor 3 Tagen dann wieder ganze Familien aufgeregtdavonrammeln spüre und ich selbst fühle mich dann wie bei Gulliver unter den (Assel-)Zwergen.


Vielleich kann ich im kommenden Jahr doch einige von ihnen überzeugen, doch auf die Erde zu gehen. Meine Tulpenzwiebeln und ich würden uns sicher freuen, denn die nehmen merklich ab und
doch sind die Asseln irgendwie ein Teil von unserem Garten und eben doch eine Besonderheit.


Und ich freue mich, dass ich ehrlich bin und fleißig am gemeinschaftlichen Leben arbeite.

 

Inspiriert von der "Kooperation mit der Natur" und geschrieben für die Zeitschrift "EinSicht" im Jahr 2012